Hilfe, mein Sohn ist ein Weichei! Er heult.

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Hey du Weichei, hör auf zu heulen! Männer weinen nicht!

Sei ein Mann, denn Männer weinen nicht. Starke Jungs heulen nicht, also hör schon auf. Jungen bekommen diese Sätze bereits zu hören, wenn sie noch in ihren Kinderschuhen stecken.

 

Tränen wegwischen und stark sein, so gehört sich das in der Männerwelt nun einmal. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Trauer, physischen oder seelischen Schmerz geht. Ein Mann hat eben nicht zu weinen. Mädchen und Frauen dürfen das, aber Männer? Niemals!

 

Wenn Jungen diese Sätze schon in ihrem Kindesalter von ihren Eltern, Großeltern, Verwandten oder Freunden hören, kann eins und eins schnell zusammengerechnet werden. Hier ist schon von Beginn an vorprogrammiert, dass starke Gefühle, wie z.B. Angst, bei Männern nichts zu suchen haben.

Und was ist jetzt Angst?

 

Der Begriff Angst beschreibt einen unwohlen Gefühlszustand, der aufgrund der Wahrnehmung einer Gefahr entsteht. Eine Person fühlt sich bedrückt oder in die Enge getrieben, wenn eine – manchmal auch irrationale – Gefahr oder ein unangenehmes Ereignis droht.

 

Wie diese sehr allgemeine Definition verdeutlicht, ist ein Angstzustand nicht nur für die Frauenwelt reserviert. Sogar Männer können Angst verspüren. Ok, sehr selten, aber es kommt vor.

 

Bullshit! 

 

Ängste begleiten die Menschheit vom Kindesalter an und zwar Tag ein und Tag aus.

 

So, und jetzt kommt es: so gut wie jeder Junge und Mann hat eine Grundangst. Eine Angst, die ihn immer begleitet, das Gefühl irgend etwas passt nicht ganz. Auch Du? Und Dein Sohn?

 

Diese Angst geht weit über Themen hinaus, wie der Abstieg des favorisierten Fußballvereins. Natürlich ist Fußball auch eine an den Nerven zehrende Angelegenheit, aber für einen kurzen Moment muss es jetzt um etwas anderes gehen.

Wovor fürchtet ihr Euch?

Werden mich die Jungs in der Fußballmannschaft mögen? Kriege ich vielleicht einen Korb verpasst, wenn ich das Mädchen aus der Parallelklasse nach einem Date frage? Wird meine Großmutter die Operation durchstehen oder werde ich sie bald verlieren?

 

Werde ich einen hochkriegen oder zu früh kommen, wenn ich mit meiner Freundin schlafe, werde ich die Schularbeit packen, finde ich einen Job, was mache ich nach der Schule? Und, und, und...! Ängste, offene Fragen und Unsicherheit, die einen Jungen und später einen Mann durch sein Leben begleiten.

 

Mann, was sind Deine Ängste?

 

Ängste treten in unterschiedlicher Art und Weise auf, beziehen sich auf unterschiedliche Lebensbereiche und werden auf unterschiedliche Wege kommuniziert.

 

Und jetzt? Du denkst, dass Du in solchen Lebenssituationen Deine Trauer, Angst und Wut nicht kommunizieren darfst. Nicht als Weichei dastehen, nicht als schwach gelten und schon gar nicht überempfindlich wirken. Wer sagt das? Du?

 

Thematisierst Du Deine Probleme oder kehrst Du sie auch unter den Teppich? Und wenn ja, zeigst Du das Deinem Sohn? Eine fatale Entscheidung, sowohl für Dich selbst, als auch für Dein privates Umfeld und Deinem Kind.

 

Wie sich unverarbeitetes emotionales Gut zu einem späteren Zeitpunkt negativ äußern kann, ist schnell erzählt:

Ich mach Dich fertig, Du Arsch!

Es kann zu Wutausbrüchen aufgrund von Banalitäten kommen, worunter nicht nur Du selbst leidest, sondern auch Dein Umfeld. Freunde, Familie, Verwandte oder der Partner können Opfer dieser emotionalen Ausbrüche werden.

 

Oder man(n) spaziert in ein Schulgebäude und knallt mal flott ein paar Lehrer ab. Und auch gleich die Schulkollegen, die einen nerven, vor denen man Angst hatte. Alles schon passiert.

 

Der Arbeitskollege, der nervt. "Dem Arsch wische ich mal richtig eine aus, so schnell vergisst der das nicht." Hola die Waldfee, da ist Kreativität gefragt. Rache muss gut geplant sein.

 

Oder Du projezierst Deine Angst nach innen, wischt Dir selber eine aus:

 

Unverarbeitete Angst kann zu Depressionen oder weiteren psychischen und körperlichen Erkrankungen führen. 

 

Und... was tun?

Genau aus diesen Gründen muss Kindern (ja, auch Jungen!) bereits von Beginn an klar gemacht werden, dass es in Ordnung ist Angst zu empfinden und mit seinem Umfeld darüber zu reden.

 

  1. Zeigt Eure Gefühle!
  2. Redet darüber!
  3. Iniiziert in Eurer Familie "Befindlichkeitsrunden"!
  4. Fragt: "Wie fühlst Du Dich? Wie geht´s Dir gerade?
  5. Lasst nach aussen gerichtete Emotionen wie Angst und Wut zu!
  6. Fordert Eure starken Söhne dazu auf, es Euch gleich zu tun!

 

Worum geht es hier: Männer, traut euch eure Gefühle der Welt zu zeigen. Versteckt euch nicht und schluckt Angelegenheiten, die euch auf dem Herzen liegen nicht einfach so runter. Besonders in Beziehungen, sei es zum Partner oder das Kind ist es das A und O Gefühle, Wünsche und auch Ängste zu kommunizieren. Sei einfach ein Vorbild, auch im Bezug auf Deine Gefühle.

 

Der gesunde Mittelweg, das ist es worauf es am Ende des Tages ankommt. Männer, ihr könnt in anderen Sachen zeigen wie hart, stark oder männlich ihr seid. Gewichte heben, beim Horrorfilm nicht wegschauen, bei Achterbahnen mit einschüchternden Loopings nicht mit der Wimper zucken und nachts auf dem Nachhauseweg keine raschelnden Gebüsche fürchten – all das sind tolle Wege, um die Männlichkeit so richtig raushängen zu lassen.

 

Aber bitte einen Schlussstrich ziehen, wenn es um ernstzunehmende Gefühle, Emotionen und Gedanken geht. Denn wenn es am Ende des Tages um das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit geht, wird niemand fragen: „Oh, warst du aber auch immer schön darauf bedacht, nicht zu viele Emotionen zu zeigen?“ Wirklich, niemand. Auch nicht Dein Sohn!

 

Deswegen lasst uns den ersten Schritt machen und den jüngeren und noch kommenden Generationen zeigen, dass sich die Welt auch in dieser Hinsicht verändert hat.

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