Ein Stück Weihnachten per Post

Meine Advent- und Weihnachtsgeschichte

Es ist Samstag, Ende November. Zwei Jungen sitzen im Wohnzimmer auf dem Boden, beide noch im kuschligen Flanell-Schlafanzug aber von Müdigkeit keine Spur. Im Radio laufen Weihnachtslieder und aus der Küche strömt der süße Duft von Kinderpunsch und Zimtsternen. Vor ihnen steht eine große Kiste voller Weihnachtsdeko. Die Kugeln, Sterne und Girlanden funkeln mit den Augen der Kinder um die Wette. Das ganze Haus wird von den beiden Brüdern geschmückt, dabei beide in ernsthaftester Diskussion, was letztes Jahr wo gehangen hat. Nur bei einer Sache sind sich die beiden jedes Jahr einig. Bei dem, was ganz unten in der Kiste liegt. So begann für mich als Kind jedes Jahr die Weihnachtszeit.


Weihnachtsgeschichte

Der leere Nagel in der Wand

Neben der Tür zur Küche steckte ein kleiner Nagel in der Wand, das ganze Jahr über war er leer und wartete auf den ersten Dezember. An diesen besonderen Nagel kam jährlich der alte Adventskalender von ganz unten aus der Kiste. Kein Großer, gefüllt mit Süßigkeiten, Keksen und Murmeln (so einen hatten wir auch), sondern ein kleiner, kaum größer als DIN A5, aber reich gefüllt mit Geschichten, Gedichten und Bildern.

 

An jedem Tag in der Adventszeit haben wir eine Geschichte aus dem Kalender gelesen. Als mein Bruder und ich noch klein waren, lasen meine Eltern die Geschichten in feierlicher Miene vor, später dann mein Bruder und irgendwann habe auch ich selbst der Familie die Geschichten vorgetragen. Manche Gedichte kann ich noch heute auswendig. Die Geschichten sind unvergessen, aber vor allem bedeutete das Aufhängen des Kalenders für uns als Kinder eins:

 

Jetzt beginnt die Weihnachtszeit.


So war es damals. Heute wohne ich seit langer Zeit nicht mehr zu Hause. 700 Kilometer trennen mich und meine Eltern. Viele Jahre habe ich Weihnachten nicht mehr daheim gefeiert, zum einen wegen der Arbeit und zum anderen wegen der weiten Entfernung.

 

Vielleicht wollte ich es auch in den ersten Jahren nicht. Aber Weihnachten hier in Kitzbühel gefeiert, das habe ich auch nicht wirklich. Vor 2 Jahren lag eines Morgens im November ein Päckchen meiner Eltern vor der Haustür. Eigentlich wie jedes Jahr, meist gab es ein paar Süßigkeiten, was zum Lesen, so Kleinigkeiten eben. Aber diesmal lag der alte Adventskalender mit in dem Päckchen. 

 

Heute habe ich auch einen kleinen Nagel in der Wand an dem der Kalender hängt. Jeden Morgen im Advent blättere ich eine Seite um und schaue mir eine der Geschichten an. Seitdem fängt Anfang Dezember auch bei mir zu Hause, hier in Tirol, Weihnachten an.

 

Heute möchte ich meine Lieblingsgeschichte mit euch teilen. Es ist die Geschichte, die Jahr für Jahr am 03. Dezember bei uns in der Familie bei Kerzenschein und Weihnachtsbäckerei vorgelesen wurde:

Weihnachtsgeschichte, Kinder, Junge, Schnee

Der Hamster und die Maus

Den ganzen Sommer über hatte der alte Hamster Vorräte gesammelt. Stolz war er wie gefüllt sein Speicher diesmal mit Körnern war. "Sicher brauche ich mir keine Sorgen machen Hunger zu haben, wenn ich im Frühjahr aus meinem Winterschlaf aufwache", dachte sich der Hamster.

 

Als der Winter hereinbrach, legte er sich glücklich und zufrieden schlafen und träumte von all dem Weizen, der Gerste und den anderen Leckereien in seiner Speisekammer.

 

Als der Hamster schon lange schlief und die Schneedecke draußen vor seinem warmen Bau immer weiter wuchs, war die Maus wie so oft auf der Suche nach Futter. Die Maus war noch jung und sorglos. Sie hatte sich den ganzen Sommer über vergnügt, war baden gewesen, hatte in der Sonne entspannt oder mit dem Fuchs verstecken gespielt.

Aber Vorräte gesammelt, das hatte sie nicht.

 

Je mehr Schnee viel, umso schwieriger wurde die Suche nach Nahrung, bis sie an einem besonders stürmischen Tag in den Bau des Hamsters fiel. Schnell führte ihre feine Nase sie in die reich gefüllte Speisekammer und sie konnte ihren Augen kaum trauen. Wie konnte der Hamster all die Körner einfach unbeaufsichtigt liegen lassen, da konnte ja jeder kommen und den Vorrat stehlen.

 

„Ich werde für den Hamster aufpassen,“ dachte sich die Maus guten Gewissens, „und dafür nehme ich mir ab und zu ein paar Körner.“ So verging der Winter, der Schnee fing an zu schmelzen und die Maus brauchte sich keine Sorgen mehr machen, genug Nahrung zu finden.

 

Als der alte Hamster aufwachte und noch schlaftrunken in seine Vorratskammer tapste, erschrak er ganz fürchterlich. Da stand die Maus und sein Vorrat war beachtlich geschrumpft. „Man hat mich bestohlen!“ rief der Hamster.

 

„Nein, aber das hätte man ganz sicher, wenn ich nicht aufgepasst hätte“, erwiderte die Maus, „und für das Aufpassen habe ich mir ab und zu ein paar Körner genommen.“ Der Hamster nickte nachdenklich. „Wenn das so ist, dann danke ich dir, aber hilf mir doch neue Vorräte zu sammeln. Der nächste Winter kommt bestimmt.“

 



Hi, ich bin Sven. Seit 3 Jahren begleite ich als Erlebnisleiter die Männers Camps am Berg und bin derzeit im Büro für Männers und das BoysUp - Jungencoaching administrativ tätig. Es freut mich, wenn ihr ein Teil meiner Weihnachtsgeschichte werden konntet.

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Eine Geschichte zum Nachdenken und Staunen
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Kommentare: 3
  • #1

    Anke (Mittwoch, 23 Dezember 2020 14:03)

    Lieber Anton, Leiber Sven und das ganze Männers Team,
    vielen Dank für diese Geschichte aus der Kindheit von Sven. Bei uns war es so ähnlich: auch wir hatten einen Kalender, der jedes Jahr wiederverwendet wurde. Und auch wir, mein Bruder und ich, durften das ganze Haus schmücken. Mein Bruder kam leider schon als Jugendlicher ums Leben, daher ist diese Zeit jetzt auch immer eine Zeit des Gedenkens an frühere Zeiten. Mit deiner Geschichte bin ich wieder in sehr angenehmen Gedanken an die alten Zeiten. Vielen Dank, dass ihr so viel Gutes tut. Mein Sohn und ich sind ja dieses Jahr mit dabei und freuen uns schon sehr.
    Anke
    PS. Auch diese Geschichte werde ich, wie letztes Jahr auch wieder meinem Sohn vorlesen.

  • #2

    Christian und Lasse (Mittwoch, 23 Dezember 2020 14:05)

    danke euch. bis bald, hoffe ich. frohe weihnachten und geinen guten rutsch. cb

  • #3

    Michael und Oliver (Freitag, 25 Dezember 2020)

    Lieber Anton, liebes Männers Team,
    vielen Dank für die tollen Infos während des Jahres und die Weihnachtsgeschichte am Ende. Ich habe die Geschichte gestern unter dem Baum vorgelesen und die Kinder waren begeistert. Sie stellten ganz viele Fragen, das ist für uns das Zeichen, dass sie nachdachten. Danke und einen guten Rutsch, Michael, Oli und Familie