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Hilfe, mein Sohn (12) lügt!

Eltern haben es ganz gewiss nicht immer leicht, vor allem dann nicht, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen oder bereits mitten drinstecken. Das eigene Kind scheint sich plötzlich völlig zu verändern und als Elternteil kommt die Sorge auf, ob diese Veränderungen womöglich von Dauer sein könnten. Besonders Jungs neigen dazu, gegen ihre Eltern zu rebellieren und des Öfteren die Konfrontation zu suchen. 

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Was ist los mit meinem Sohn?

Gerade wenn Jungen beginnen zu pubertieren, im Schnitt mit 12 Jahren, wollen sie sich Respekt und Ansehen verschaffen. Sie versuchen ihre Eltern, vor allem den Vater, zu provozieren und sich mit ihm zu messen.

 

Nervenaufreibende Streitereien und endlose Diskussion, die bereits wegen Kleinigkeiten in Gang gesetzt werden und nicht selten regelrecht ausarten, stehen an der Tagesordnung. Das muss so sein, das ist eine Aufgabe der Pubertät. Jungen lernen so sich abzugrenzen und formen ihr männliches ICH.

 

Für Eltern kann es jedoch zu einer schweren Belastung werden, wenn der eigene Sohn dann auch noch beginnt zu lügen. Viele Eltern fühlen sich hilflos und wissen mit der Situation nicht umzugehen. 

Lügen haben (meist) kurze Beine

Jungen im Alter von 12 Jahren sind, trotz beginnender Pubertät, noch sehr unreif. Sie können zwar bereits im Schulkindalter klar zwischen wahr und unwahr unterscheiden und wissen auch, dass Unwahrheiten erzählen keine gute Tat ist, jedoch sind sie noch nicht in der Lage, die Folgen oder Konsequenzen einer Lüge einzuschätzen.

 

Da Kinder von Natur aus ehrliche Wesen sind fällt es ihnen schwer, eine Lüge richtig aufzubauen. Meist kommt diese Unwahrheit binnen kürzester Zeit ans Licht. Die Gedanken der Jungs kreisen hierbei nur um ein spezielles Ziel, nicht aber darum, wie es nach der Lüge weitergehen soll. Ein alltägliches Beispiel, dass den Gedankengang der Jungs verdeutlichen soll: 

Dein Sohn bekommt in der Schule eine schlechte Note. Er weiß, dass die Eltern über diese schlechte Bewertung nicht erfreut sein werden und hat Angst davor Ärger oder gar eine Bestrafung zu bekommen. Oder er weiß, er muss jetzt wahrscheinlich Nachhilfe nehmen. Oder mehr daheim lernen. Das kreuzt sich mit den Plänen, seine Freunde öfters zu sehen.

 

Um dies alles zu umgehen, lügt dein Sohn und erzählt Dir nichts von der schlechten Schulleistung. Um die Zukunft macht er sich jedoch keine Gedanken und zieht es somit nicht in Erwägung, dass die Eltern Nachfragen stellen könnten oder aber die Lehrer sich eventuell mit dir in Verbindung setzt, um über die schlechte Leistung zu sprechen.

 

Schnell fliegt die Lüge auf und nicht selten droht doppelter Ärger: Zum einen für das Ereignis an sich und zum anderen für das Erzählen einer Lüge. 

 

Alles was er wollte, ist Dich nicht enttäuschen, einer Strafe zu entgehen oder seine eh schon knappe Zeit nicht noch knapper zu machen: Freunde treffen, seinem Hobby nachgehen oder einfach chillen. Und daher hat er dich angelogen, wahrscheinlich einfach aus Selbstschutz.

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Ursachen für´s Lügen

Zu aller erst einmal möchten wir Entwarnung geben: Schwindeln ist nicht schön, aber in der Regel nur eine Phase, die Jungs in der Pubertät durchleben. So ab 12 beginnt im Schnitt bei Jungs der Testosteronspiegel zu steigen: die Pubertät beginnt, sie beginnen zu lügen. Nach Wolfgang Bergmann, einem angesehenen Familientherapeuten, ist das das sogenannte "pubertäre Übergangsphänomen".

 

Die neurobiologische und nachgewiesene Erklärung dazu ist: Der präfrontale Cortex, der vordere Gehirnlappen wird in der Pubertät umorganisiert. Dort sitzt aber die Schaltstelle zwischen Ethik, Hemmungen und der Handlung. Daher kann es vorkommen, dass du Deinen Sohn nicht wiederkennst.

 

Übrigens: du hast in Deiner Pubertät ähnlich gehandelt. Vielleicht weißt du es nur nicht mehr, dein Gehirn war vielleicht gerade "wegen Revisionsarbeiten gerade ausser Betrieb". Wenn Du kannst, frag einfach Deine Eltern.

 

Meist schwindeln Kinder nicht, weil es notwendig ist, sondern aus unterschiedlichen Gründen. Wie erwähnt fast immer aus Selbstschutz. Sie fürchten sich vor den Konsequenzen. 

 

Auch kann eine Lüge die einfache Ursache haben, dass Jungs in der Pubertät nicht gern über ihr "Privatleben" sprechen wollen. Oftmals schämen sie sich, ihre Gedanken oder Erlebnisse mit ihren Eltern zu teilen und erfinden daher auch dann die eine oder andere Lüge, wenn es eigentlich gar nicht nötig wäre.

 

Eine andere Ursache für wiederholtes und ständiges Schwinden kann der Wunsch nach Anerkennung sein. Nicht alle Eltern zeigen ihrem Sohn, dass sie stolz auf ihn sind und seine Leistungen in der Schule, im Sport oder bei seinen Hobbys, wertschätzen.

 

Im stressigen Alltag, in dem Eltern jeden Tag aufs Neue versuchen, Beruf und Privates unter einen Hut zu bekommen, bleibt Anerkennung oder die geforderte Aufmerksamkeit manchmal einfach auf der Strecke.

 

Und Jungs, die oft Wertschätzung und Anerkennung im Aussen suchen, schwindeln auch in ihrer Peergroup, bei Gleichaltrigen. Auch dort versuchen sie durch Unwahrheiten, sich besser darzustellen um gemocht zu werden.

 

Kinder, die davon betroffen sind, beginnen häufig sich Geschichten auszudenken, um damit die Aufmerksamkeit der Eltern, der Lehrer oder der Freunde auf sich zu lenken. 

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Also, was tun wenn Dein Sohn lügt?

In erster Linie ist es wichtig, dass dein Sohn in seinem familiären Umfeld keinerlei Anlass dafür hat, zu schwindeln. Hierfür ist es notwendig, dass eine vertraute Atmosphäre herrscht. Dein Kind muss vermittelt bekommen, dass es sich jederzeit an dich wenden kann, ganz egal wie groß ein Problem auch zu sein scheint oder wie schwierig es auch sein mag, darüber zu sprechen.

 

Kinder brauchen ein enges Verhältnis zu beiden Elternteilen, um ihnen alles anvertrauen zu können. Offenheit und Ehrlichkeit müssen daher von den Eltern vorgelebt werden, damit Kinder diese Eigenschaften schätzen und selbst übernehmen.

 

Die Bedeutung von Ehrlichkeit und Vertrauen sollte Jungs schon in jungen Jahren beigebracht werden, damit diese über die Jahre hinweg verinnerlicht werden kann. In Familien, in denen Kinder bemerken, dass die Eltern des Öftern schwindeln, ist es den Kindern nahezu unmöglich, nicht selbst auch Unwahrheiten zu erzählen.

 

Die Jungs müssen sich bedingungslos geliebt, akzeptiert und respektiert fühlen, damit sie ihre eigenen Fehler eingestehen können und sich nicht durch Lügen größer und besser machen müssen, als sie eh schon sind.

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Tipps für den Umgang mit Lügen

Bleibe in der Situation möglichst ruhig und sachlich

Versuche mit Deinem Sohn ein möglichst ruhiges Gespräch zu führen. Warte aber nicht auf den richtigen Moment, sage ihm gleich, dass du glaubst er hätte gelogen.

 

Sag ihm das auch, wenn du in dem Moment sehr aufgewühlt bist, verschiebe das klärende Gespräch aber auf später:

"Ich denke, du hast mich belogen. Ich möchte mit dir darüber reden, im Moment kann ich aber nicht. Ich bin sehr aufgewühlt und möchte daher mit dir heute Abend sprechen."

 

Zeige Verständnis 

Da viele Kinder aus Angst vor Strafen schwindeln, solltest du für Fehler oder ungeschickte Tate deines Kindes Verständnis zeigen.

 

Meist lügen Kids aus Selbstschutz. In seltenen Fällen wollen sie damit jemanden Schaden.

 

"Ich würde sehr gerne verstehen, warum Du mich angelogen hast. Ich denke, du hast dafür einen wichtigen Grund. Sag mir bitte warum."

 

Ganz bestimmt hast du etwas Ähnliches in deiner Kindheit auch getan oder erlebt, es gibt also keinen Grund sofort hart durchzugreifen oder Strafe auszusprechen. Wenn eine Bestrafung erfolgen soll, versuche eine zu finden, die deinem Sohn seine Fehler nahebringt und ihn dazu verleitet, aus den begangenen Fehlern zu lernen. 

 

Bitte keine Vorwürfe

Statt anzuklagen und ihm falsches Verhalten vorzuwerfen, versuche mit ihm auf Augenhöhe zu sprechen. Typische Sätze für einen Vorwurf sind:

  • Du hast mich angelogen und zutiefst enttäuscht. (Du Botschaft)
  • Immer lügst Du / verheimlichst mir was. (Verallgemeinerungen)
  • Du bist Schuld, wenn Dir bald niemand mehr glaubt (Schuldzuweisung)

 

Statt dessen bleibe sachlich.

Sage ihm, dass du es nicht magst, angelogen zu werden: "Ich mag es nicht, angelogen zu werden. Und ich bin verwundert, dass du mich anlügst. Kannst Du mir sagen, warum du mich angelogen hast, ich würde es gerne verstehen."

 

Entziehe Deinem Sohn nicht Dein Vertrauen

Wenn Du die Regeln der Kommunikation beachtest, wirst du wissen, warum Dein Sohn gelogen hat. Dann ist es auch nicht notwendig, ihn verstärkt zu kontrollieren oder in Zukunft zu misstrauen. Besser ist es, die Ursache für sein Lügen zu beseitigen. Erstelle mit ihm einen Plan, wie er Situationen so meistern kann, dass er nicht lügen braucht. Sei nachsichtig und vertraue ihm.

 

Setzte einen Rahmen (wenn nötig)

Dennoch: Jungs brauchen einen Rahmen, in dem sie sich bewegen dürfen. Das gibt ihnen Sicherheit, Orientierung und Rückhalt. Mach ihm die Konsequenzen klar, wenn er diesen Rahmen verlässt. Besprich die den Rahmen und die Konsequenzen mit ihm, verhandle mit deinem Sohn. Ihr werdet einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Sollte Dein Sohn diesen Rahmen, diese gemeinsam vereinbarte Grenze überschreiten, sei konsequent. Vor allem Jungen brauchen einen Leitwolf, der ihnen Sicherheit und Orientierung gibt.

 

Stärken & Talente hervorheben 

Wenn dein Kind lügt um Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu bekommen, ist es sinnvoll, die Stärken und Fähigkeiten deines Kindes herauszustellen. 

 

Mehr Freiraum & geringere Anforderungen 

Viele Jungs erzählen eine Lüge schlichtweg aus Überforderung. Schraube die Anforderungen an dein Kind etwas herunter und erwarte nicht zu viel auf einmal. Kinder brauchen freie Zeit um einfach Kind sein zu können und sollten nicht zu sehr eingebunden werden. Überforderungen sollten weitestgehend vermieden werden. 

 

Notlügen akzeptieren 

Da Notlügen definitiv zum Leben eines jeden Menschen dazugehören, kannst du deinem Kind eine Notlüge guten Gewissens durchgehen lassen. Du solltest dein Kind natürlich darauf hinweisen, dass die Lüge aufgeflogen ist, dennoch solltest du ihm vermitteln, dass es in einem solchen Fall in Ordnung ist einmal zu flunkern, wenn dabei niemand zu Schaden kommt, sondern die Lüge beispielsweise nur dem Schutz eines Menschen oder dessen Gefühlen dienen sollte. 

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