Aus dem Campleben - Tim stürzt ab - Diagnose ADHS

Der Absturz

Das Zeltlager im Wald - Abenteuer und Stille im Wechsel
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Der Absturz

 

Der Schrei hallte durch den Wald und ging durch Mark und Bein. Es muss der 8-jährige Tim (Name geändert) sein, der so schrie. Irgendwas musste passiert sein. Wir stellten unsere Kaffeetassen auf dem Wasserbehälter ab und eilten an den Rand der Böschung um zu sehen was geschehen war.


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Was passiert denn jetzt?

 

Und es war Tim, der da am Boden am Ufer des munter plätschernden Baches saß und sein Knie hielt. Sein Knie blutete. Jetzt schrie er nicht mehr, er sass nun weinend im feuchten Moos des Waldes. 

 

Wie jeden Morgen waren die Jungs durch den Wald gelaufen, voller Tatendrang und in ihrem Element. Sie entdeckten Ritter und Kobolde und der Lieblingsplatz war der Bach, der ein wenig weiter unten seinen Weg durch den Wald gesucht hatte.

Ich stand mit 5 Vätern von Söhnen, darunter auch Tim´s Vater, oben am Rand des  Weges der zum Bach und zu Tim führte und den er wohl zu schnell hinunter gerannt war und dadurch stürzte. Ich stand also oben und wartete auf die Reaktion der Väter, vor allem aber auf die Reaktion von Tim´s Vater. Was würde er jetzt wohl tun?

 

Dieses kleine Unglück passierte in einem Vater&Sohn Camp in Kitzbühel. Wie jeden Morgen waren wir auch an diesem sommerlichen Morgen schon früh wach. Wir hatten alle gut geschlafen und die wärmenden Sonnenstrahlen drangen schon schwach durch den dichten Wald auf die Lichtung, wo unsere Zelte standen.

 

Die Stimmung war entspannt und gelassen. Bis zu Tim´s Sturz. Aber auch danach... und das wunderte mich schon ein wenig. Da liegt ein Sohn mit blutendem Knie am Bach und sein Vater scheint sich wenig dafür zu interessieren. Verwundert stand ich dabei und war gespannt wie ein Flitzebogen was denn nun geschehen würde.

Entdeckungsreise - die Jungs im Wald in Kitzbühel
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Aha, typisch - ADHS

Tim war mir bekannt, ich hatte schon etliche Telefonate mit Tim´s Mama geführt. Denn, bei Tim wurde ADHS diagnostiziert und er bekam Ritalin. Allerdings nur während der Schulzeit.

 

In den Ferien hatte er Ritalinpause. Und in den Ritalinfreien Zeiten war er nur schwer zu ertragen und störte das Familienzusammenleben, so seine Mama. Ich war auf alles vorbereitet.

 

Starke Jungs, diese ADHS´ler

 

Das kommt in den Camps öfter vor und es ist für mich immer wieder erstaunlich wie toll und nett diese Kinder sind. Das haben Kids mit ADHS ja oft an sich, sehr hohe soziale Kompetenz ohne dabei auf sich selbst zu schauen, sind meist sehr charmant und lassen sich auch nicht unterkriegen. Und äusserts detailorientiert. 

 

Sie bemerken Dinge, die „normalen“ Kids einfach verborgen bleiben. Und sie sind äusserst neugierig. Lebendige, starke Jungs, würde man auf den ersten Blick vermuten. Wenn da nicht diese „Krankheit“ wäre


Du magst Deinem Sohn auch eine Auszeit gönnen, zusammen mit Papa? Dann hier entlang: Camps allgemein


Zurück zum Frühstück: "Tim lebt ja noch!"

Zurück zu unserer Frühstückssituation. Also, da standen sie, die Väter der Nation. Hoch oben, am Rand des Abgrundes während unten ein 8jähriger weinte und sich das wimmernd das blutende Knie hielt.

 

Tim´s Vater (nennen wir ihn Thomas – das passt zu Tim) schien ziemlich überfordert zu sein. Sollte er sich jetzt die Mühe machen den steilen Weg nach unten zu gehen um seinen Sohn zu trösten? Oder einfach warten, sein Sohn lebte ja noch, also würde er es ja auch wieder nach oben schaffen? Es könnte ja ein Fake sein, er hat ja ADHS, also braucht er ja dringend Aufmerksamkeit. 

 

Und ja! Die braucht er! Und zwar genau in dieser Situation! Und zwar jetzt! Wieviel Aufmerksamkeit bekommt denn dieser Junge im Alltag, wenn er in einer Notsituation schon im Stich gelassen wird?

 

Gespräche am Lagerfeuer!

Es war dann ein anderer Vater, der Tim zu Tim ging und ihn nach oben holte, sein Knie verarztete und den Jungen tröstete. Thomas, Tim´s Vater stand daneben und hatte so was von überhaupt keine Ahnung was er machen sollte.

 

Thomas und ich hatten am Abend am Lagerfeuer ein sehr inspirierendes Gespräch. Er freute sich über ein Feedback zur Situation vom Vormittag. Er holte sich Tips auch von anderen Vätern.

 

Und... er schaffte es während der Zeit im Camp, seinem Sohn die Aufmerksamkeit zu geben, die Tim brauchte. Und ganz ehrlich... das war gar nicht viel! Und Tim? Der war so was von cool! Nachdem er von seinem Vater das bekam was er brauchte, war er einer der Jungs, die das Camp positiv mit gestalteten. Danke Tim!

 

Das Lagerfeuer in den Männers-Erlebniscamps für Vater&Sohn sind nicht einfach Lagerfeuer, es sind ganz besondere Lagerfeuer! Warum liest Du hier: Helden der virtuellen Welt...